Dienstag, 17. März 2020
Wir halten Abstand
Dienstag, 17. März

Wohoo, die Börsenkurse sind wieder gestiegen. Nur ein wenig zwar, aber in Weltuntergangsszenarien ist so etwas nicht vorgesehen, glaube ich. Hoffnung? Ich bin eine alte Unke, eine mit Wirtschafts-Diplom. Was wir hier gerade an staatlichen Rettungsschirmen sich aufspannen sehen, ist von einer anderen Welt, einer Traumwelt. Am Irrsten: Trump will jedem Ami persönlich einen Scheck schicken, damit jeder Ami die Wirtschaft ankurbeln kann. Einen Scheck, natürlich nicht von Trumps Konto ausgestellt.

In Hamburg auch heute wieder neue Anblicke. So sieht jetzt eine Schlange auf dem Wochenmarkt aus:



Als ich mich einreihen will, faucht mich aus dem Rückraum eine dieser Alten mit wirrem weißen Haar an, die einem schon in normalen Zeiten immer ungefragt die Rechtslage erklären: "He, junger Mann, stellen Sie sich hinten an, wir halten hier Abstand!" Ich bin mir ganz sicher, dass sie erst nach mir gekommen ist, aber gebe klein bei, weil: Es lohnt nicht. Wir werden eh alle sterben, arf, arf! Später sehe ich die Alte immer noch irgendwo herumstehen und in ihr Handy rufen: "Das verdammte Corona!" Ja, die Nerven der Senioren liegen blank. Meine leider auch.

Andererseits bin ich heute auch hier vorbeigekommen:



Und das ist doch mal eine Auslage, die an die guten alten Zeiten der Normalität erinnert. Wenn der das hinkriegt, dann werden wohl auch die Klopapieranbieter wieder aufstocken, oder?

Unser kleiner Nachbarschafts-Weinladen musste schließen und ist natürlich in seiner Existenz bedroht. Aber sie sind kreativ: Stellen "Retter-Zertifikate" aus für Spender, die ihre Spende dann vertrinken können, sobald der Laden wieder aufmachen darf. Mit fünf Prozent Rabatt.

Freund F. hat angeboten, für meine Familie und mich einkaufen gehen zu können. Freund F. ist Freiberufler und hat gerade besonders viel Tagesfreizeit. Nettes Angebot, aber solange man mich noch nicht zuhause festnagelt, bleibe ich lieber Freigänger.

Jedoch: heute heftigere Unpässlichkeit als bisher (kein Husten allerdings). Ob die hartnäckige "Erkältung" doch eine Influenza ist? Nicht vergessen, die grassiert auch noch zurzeit in Deutschland, kommt bloß nicht in die Medien. Dabei sind da schon viel mehr dran gestorben als am verdammten Krönungsvirus.

Was mich zu den Zahlen von heute bringt: Hamburg jetzt 312, plus 52 zu gestern, das sind all die braungebrannten Wintersportheimkehrer aus den Elbvororten, die eine Kollegin heute im Supermarkt getoffen hat. Deutschlandweit: 7.156, 12 Tote. Erstaunlich, erstaunlich wenig. Aber die Zahlen springen und werden auch sehr unterschiedlich angegeben.

Mutter, 79, wohnt in Rheinland-Pfalz, nicht weit weg vom NRW-Landkreis Heinsberg. Dort allein, in diesem einen Landkreis, derzeit laut Lokalzeitung 760 Fälle und 8 Tote. Immerhin hat sie ihre Kartenspiel-Runde abgesagt. Sorge frisst sich neu durch meinen laienhaft gespielten Alltag.