Mittwoch, 6. Mai 2020
Hurra, wir dürfen was!
Mittwoch, 6. Mai.

Wir werden wieder normal(er). Meine Güte, Schaukeln ohne rot-weißes Flatterband! Sofort besprungen von erwachsenen Menschen, die ihr inneres Kleinkind channeln:



Natürlich nicht das beste Foto, aber versuchen Sie heutzutage mal als mittelalter Mensch in den besten Jahren, eine Kinderschaukel in Aktion zu fotografieren, womöglich noch auf einem Kita-Spielplatz. Da möchten Sie nicht erwischt werden. Daher gibt es die Akteure hier nur von schräg hinten.

Heute hat die Kanzlerin wieder irgendwas gesagt. Fragen Sie mich bitte nicht. Es ging um Corona. Wir müssen. Wir sollten. Wir dürfen (eventuell, ein bisschen). Aber vorsichtig! Jetzt nicht nachlassen! Vernunft! Disziplin! Wir alle. Gemeinsam. Ende der Ansprache.

In Summe lässt sich immer schwieriger leugnen, dass die Corona-Zeit ihrem Ende entgegengeht (bis zum Herbst, dann wird es noch viel, viel schlimmer). Am Montag dürfen die großen Kaufhäuser wieder öffnen! Die Bundesliga beginnt Mitte Mai mit Geisterspielen! Selbst Oskar, der Sandwich-Schüler im Niemandsland zwischen den wichtigen Einschulungs- und Ausschulungsjahrgängen, soll noch im Mai wieder zur Schule dürfen! Was für eine Freude.

Einige seiner Lehrer haben inzwischen bemerkt, dass er für ihre jeweilgen Fächer im Hohm Skuling bislang nichts (in Zahlen: 0) Zählbares übermittelt hat. Merke: Hohm Skuling und ADS-Kinder, das passst so gut zusammen wie Sodom und Corona. Oder so ähnlich.

Das alles hat bereits zur Folge, dass die Aufarbeitung der hoffentlich bald hinter uns liegenden kleinen Caprice für die Geschichtsbücher begonnen hat. Das Medizinhistorische Museum im UKE rief bereits zu Sachspenden auf: Wir sollen alle Artefakte, Dokumente und Bilder einreichen, die für uns das Kapitel Corona dokumentieren. Also genau das, was ich hier schon seit zwei Monaten tue. Aber mal schauen. Ah, da hätte ich zum Beispiel noch das hier fürs UKE:



Nicht wahr, ein starkes Symbolbild. Aber wofür genau? Für zertrampelte Hoffnungen? Befreite Rede? Am Boden liegendes ... ähm ... Urvertrauen? Die Wegwerf-Gesellschaft (das geht immer) Für Interpretationen bin ich dankbar.

Die Zahlen vom Tage: In Deutschland 167.575 Infizierte, 7.190 Todesfälle, in Hamburg sind es nahezu unveränderte 4.881 Krankheitsfälle, aber eine sprunghaft gestiegene Totenzahl: 190 jetzt. Wie kommt das, kann das einer erklären? Ich bin es leid, wegen so was im angeblich "Hamburger" Abendblatt nachzuforschen, das sich nicht zu blöd ist, die besten Corona-Geschichten aus der New York Times einfach mit einer Woche Verzögerung unter dem Namen eines deutschen Schreiberlings abzukupfern - mitsamt Zitaten und allem. Wird schon keiner merken, wer liest denn hierzulande die NYT? Wirklich, wenn diese Krise dem personell ausgemergelten Altherrenjournalismus den Rest gibt, es wäre nicht schade drum.