Freitag, 15. Mai 2020
Lärmpegelnormalisierung (und Quiz-Auflösung!)
Freitag, 15. Mai.

Wenn man feststellt, es gehe nur noch infinitesimal voran mit der Seuche - ist das dann ein Fortschritt? Hier, die Zuwachszahlen von heute: deutschlandweit 755 neue Fälle, gar nur 13 neue Tote (wobei jeder einzelne ein Schicksal ist, das Trauernde hinterlässt); in Hamburg 33 Neuinfizierte, KEIN neuer Todesfall.

Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass das lange Zeit zumindest tagsüber fast allgegenwärtige Hintergrundjaulen der Krankenwagensirenen in der Großstadt fehlt? Also eben eigentlich nicht fehlt?

Stattdessen gibt es jetzt wieder erste zaghafte Anfänge von Fluglärm! Zumindest donnerte heute ein Passagierjet hoch über meinen Kopf hinweg, was schon ewig nicht mehr vorgekommen ist. Das fehlte zum Ausgleich für die Krankenwagen nicht (ich brauchte ja so ein Flugzeug auch nicht).

Auch die anderen Lärmpegel pegeln sich wieder ein: Straßenverkehrszunahme gefühlte 300 Prozent seit Anfang Mai. Grundrauschen in den Fußgängerzonen wieder da. Und ganz, ganz leise rollern sie wieder an mir vorbei, diese merkwürdigen E-Scooter, die auch eine ganze Zeit Pause hatten - was man erst merkt, wo sie wieder da sind.

Ah, mir fällt ein, ich muss noch das Rätsel von vorgestern auflösen. Wissen Sie noch, das mit den drei menschenleeren Fotos, die außer diesem Zustand noch eine weitere Gemeinsamkeit aufwiesen?

Ich warnte ja, dass die Lösung etwas gemein ausfallen werde. Also schlagen Sie mich nicht.

Also, ähm ... es ist nämlich so ...

... diese Bilder, sie haben alle das eine gemeinsam, nämlich, ähm ...

... nun ja, kurz und gut:

Ich habe sie alle Monate bis Jahre VOR Corona aufgenommen.

Nur weil Sie die letzten Wochen in allen Medien menschenleere Coronafotos gesehen haben, musste ich ja nicht auch noch mal welche machen. Wozu gibt es ein Bildarchiv.

Zur Siegerin unter allen beiden Einsendern erkläre ich "sista", einfach, weil sie die einzige war, die überhaupt Lösungsvorschläge gemacht hat - wenn auch falsche.

Und last but not least: Die angekündigte tiefgründig-philosophische Erkenntnis, die sich hinter der richtigen Lösung verbirgt, ist gleich eine zweifache.

Erstens darf man eine Vorliebe für menschleere Szenerien und somit für Einsamkeit haben, ob Lockdown oder nicht. Es ist nicht nur zutiefst menschlich, ein soziales Wesen zu sein, sondern auch, vor seinesgleichen das Weite zu suchen.

Und zweitens: Trauen Sie nie Ihren Augen, wenn Ihnen jemand in einem genügend gelernten Kontext ein Bild vorsetzt. Auch wenn es "Corona!" zu schreien scheint, flüstert es vielleicht in Wirklichkeit nur: "Montagmorgen hinterm Deich".

Da mal drüber nachdenken!