It's the hope that kills you
Dienstag, 24. März.

Erstmals ein Tag mit Hoffnung. Dauersonnenschein, der noch tagelang anhalten soll. Vielleicht wird doch nicht alles so schlimm, vielleicht dauert es nicht ganz so lang.

Der DAX ist um mehr als 10 Prozent in die Höhe geschossen. Auch die Börsenhändler sehen die Dinge gerade nicht mehr ganz so schwarz. Börse ist immer die Vorwegnahme von Zukunft, nur eben ohne Garantie. Außerdem gibt es riesige Rettungspakete von Staat, EZB und anderen. Angeblich sollen auch für uns beschäftigungslose Freiberufler ("Ich-AGs") in Hamburg 2500 Euro drin sein. Ich konnte nur noch nicht herausfinden, wo und wie.

Ausgerechnet Trump in den USA macht natürlich auch auf gute Laune und dicke Hose: Bis Ostern wolle er die USA wieder am Laufen haben, tönt es vom Golfplatz über den großen Teich. Vielleicht stellt es sich ja als weniger senil heraus, als unsere Medien es reflexhaft darzustellen versuchen. Dann wäre jedenfalls seine Wiederwahl zum Präsidenten gewiss.

Derzeit aber stehen noch etwa 20 Prozent der Weltbevölkerung unter "Lockdown". 20 Prozent! Unfassbar.

Ich war wieder mit dem Fahrrad unterwegs. "Me-time" nennt es der Ami. Und Bürozeit natürlich. Auf dem Rückweg von der Arbeit einen Umweg durch die Hafen-City gemacht. In Zeiten wie diesen, von allen Touristen verlassen, wirkt sie noch menschenfeindlicher, reißbretthafter, verlorener, abwaschbarer und steriler als sonst. Beweise? Hier bitte:





Mein Lieblingsobjekt zum Beweis der totalen Keimfreiheit (eigentlich ja der neue Idealzustand!) dieses Retortenstadtteils aber ist und bleibt der Marco Polo Tower, dieser Millionärswohnturm gleich am Elbufer. Wann immer ich ihn mir anschaue, ob zu Weihnachten, im Hochsommer oder jetzt in der Corona-Saison, gibt es nichts Abweisenderes und Verlasseneres als diese Ikone der neuen Betonarchitektur. Und das, wo wir doch angeblich nun alle zugleich in unseren Wohnungen hocken, wo allabendlich sämtliche Zimmer erleuchtet sind, wie guten Beobachtern schon auffiel.

Aber Lebenszeichen aus dem Investment-Tower? Wo Wohnungen nur gekauft werden, um sie zu besitzen und im Wert wachsen zu sehen? Fehlanzeige. Da hat man also nun ein total antivirales Gebäude, und dann findet darin kein Leben Schutz. Das heißt: Doch, einen jüngeren Mann sah ich heute für Sekundenbruchteile auf seinem Balkon mit Elbblick. Glückwunsch! Eine letzte Seele. Der Rest ist Statik:



Und nach der Statik noch die Statistik: Fast genau 33.000 Corona-Fälle im Land, in Hamburg 1237 (ups, + 250 an einem Tag!). Jetzt 157 Todesfälle. Die Hoffnung steht auf sehr wackeligen Beinen.




kuena am 25.Mrz 20  |  Permalink
Nun lässt es sich endlich mal vernünftig durch die Hafencity radeln, dieses Paradebeispiel für eine vertane Möglichkeit. Ist ja eigentlich vor allem wieder ein Autofreundlicher Stadtteil.

coronaguy am 25.Mrz 20  |  Permalink
Ja, das ist mir auch angenehm aufgefallen, die neue Fahrradfreundlichkeit. Weniger angenehm dafür der nicht ganz heiße Kakao to go für 3,50 Euro.