Corona beats Correctness
Donnerstag, 26. März

Heute auf dem Weg zur Arbeit stand ich plötzlich vor einer Veränderung, die ich nicht mehr für möglich gehalten hatte. But Corona can.



Hier, wo am Geländer der U-Bahn-Station ein paar Pflastersteine im Gehweg fehlen, stand bis heute das Lampedusa-Zelt. Sieben Jahre lang. Damals hatten die ersten Migranten per Überfahrt mit nicht hochseetauglichen Booten übers Mittelmeer die Einreise in die EU-Exklave Lampedusa und den Transport nach Kontinentaleuropa samt Weiterreise bis Hamburg erzwungen. Damals begann die "Refugee-Bewegung" und das "Refugees welcome!" politisch sympathisierender Gruppen.

Seit sieben Jahren bin ich täglich an diesem Zelt vorbeigefahren, das hier, fast am Hauptbahnhof, illegal als Treffpunkt und Nachrichtenbörse von Migranten schwarzafrikanischer Herkunft errichtet worden war. Fast immer war es dekoriert mit Parolen wie "We are here to stay", "We fight for our rights" oder Verwünschungen gegen den "imperialistischen" Westen mit seiner "Kriegstreiberei".

Es ist wohl nur in Deutschland, und auch hier nur in linksextremistischen Milieus wie denen Berlins oder Hamburgs möglich, dass angeblich Schutzsuchende nicht nur die Aufnahme und Vollfinanzierung ihres unbegrenzten Aufenthalts aus Mitteln der Allgemeinheit in der Stadt ihrer Wahl erzwingen, sondern ihre Gast- und Schutzgeber dafür auch noch systematisch missachten, beschimpfen und beleidigen dürfen. Und bei Bedarf eine militante Szene aus einheimischen Unterstützern mobilisieren können.

Mir war und ist das alles unbegreiflich. Solange ich hier täglich vorbeifuhr und den Eingewanderten bei ihrem Tagewerk im und am Lampedusa-Zelt zusah, überkam mich der Impuls, ein Mikrofon mitzubringen und ein Interview mit den Zelt-Aktivisten aufzuzeichnen. Meine Frageliste war im Kopf schon fertig:

Was möchtet ihr zu dieser Gesellschaft beitragen, die euch Zuflucht gewährt hat? Welchen volkswirtschaftlichen Nutzen gedenkt ihr zu produzieren, und wie? Warum beschimpft ihr die, die euch ernähren und behausen? Welche kulturellen und demokratischen Prinzipien eurer (nicht um ihre Zustimmung gefragten) Wahlheimat sind euch die wichtigsten? Was gedenkt ihr zum Ausgleich für die finanziellen Opfer zu tun, die ganz normale Steuerzahler ungefragt für eurer erzwungenes Bleiberecht und Vollversorgung sowie für den Nachzug eurer Großfamilien bringen müssen?

Aber sie hätten mich entweder nicht verstanden. Oder nicht verstehen wollen. Oder sie hätten gleich ihre Unterstützer alarmiert, weil hier ein "Rassist" oder "Imperialist" oder "Faschist" oder sonst irgendein "-ist" ihren Frieden zu stören versuchte. Deshalb hatte ich den Mut nicht. Dabei war vor allem Neugier mein Motiv. Ich hätte deren Haltung gern verstehen wollen.

Ein Abbau des illegalen und provozierenden Zeltes durch die Obrigkeit hat sieben Jahre lang nicht stattgefunden. Aus Angst vor dem politischen Aufruhr im linksextremistischen und migrantischen Lager, den das unweigerlich produziert hätte. All die wohlfeilen Vorwürfe des Rassismus, Faschismus, Revanchismus, Imperialismus, die immer sofort kommen – keine Behörde, kein regierender Politiker Hamburgs wollte sich dem aussetzen. Sieben Jahre lang.

Jetzt kommt ein Virus daher, und öffentliche Zusammenkünfte von mehr als zwei Personen werden verboten. Jetzt plötzlich wird der Abbau machbar – zum Schutz der Betroffenen, die hier nun plötzlich ebenso wenig sicher sind wie die Einheimischen auch.

Aber ich mache mir keine Illusionen: Sobald Conona vorbei sein wird, steht hier ein neues Zelt der Migranten, samt Forderungen und ganz selbstverständlichen Beleidigungen des Aufnahmelandes.

Die Corona-Zahlen vom Tage: Deutschland hat 43.211 Fälle, 262 sind gestorben. In Hamburg sind 1614 infiziert. Aber der Horror: Gerade eben meldet der Guardian, dass die USA jetzt schon mehr Infizierte haben als jedes andere Land einschließlich Italien: mehr als 80.000. Mehr als 3 Millionen Menschen haben sich dort schon arbeitslos melden müssen, der schlimmste Anstieg seit der Großen Depression der Dreißigerjahre.

Jedoch Amerika wäre nicht Amerika, wenn der S&P-Aktienindex nicht gleichzeitig den tollsten Drei-Tage-Boom seit 1933 hingelegt hätte. Für Trump also alles in Ordnung.