Hallig-Hygiene
Freitag, 22.5.

Halligleben und Corona, das geht nicht zusammen. Einerseits gab es hier bislang keinen einzigen Fall, wie denn auch, bei nicht einmal 100 Einwohnern. Andererseits gelten all die betonschweren Verordnungen natürlich auch hier, ist ja schließlich nur eine Verlängerung des berüchtigten Bundeslandes Schleswig-Holstein ins Meer hinein.

Und das bedeutet: Die winzige Halligschule hatte während Corona auch geschlossen, was vielleicht ein Dutzend Schüler betraf. Die hatten dann stattdessen Hohm Skuling per Internet, saßen also auf ihren diversen Warf-Hügeln und konnten sich trotzdem fast zuwinken beim virtuellen Unterricht.

Und jetzt, wo gerade einige der Weltuntergangsvorschriften gelockert werden und die Haupteinnahmequelle Tourismus theoretisch wieder möglich ist, brauchen die Halligleute immer und überall ein "Hygienekonzept". Wegen der Fremden vom Festland, die das tückische Virus ja jetzt theoretisch hier einschleppen könnten.

In der Wattenmeer-Schutzstation mit ihrem kleinen Nordsee-Museum gibt es noch keines, wie wir heute leider erfahren mussten. Da wurden wir nämlich wieder abgewiesen, obwohl wir im strömenden Regen alle vier triefend nass in der Tür standen und uns gern ein wenig aufgewärmt hätten.

Selbst im Halligkirchlein steht ein Fläschchen Sterillium wie eine Hostie ausgestellt. Und in unserer Ferienwohnung sieht das Hygienekonzept folgendermaßen aus:



Das Zeug sollen wir überall hinsprühen, wo Gefahr lauert, vermutlich auch unter die Achseln. Und die Hände waschen sollen wir uns, erinnert ein Faltblatt.

Lustig nur, dass wir heute auf unserer Warf in der vermutlich kleinsten Kneipe der Welt (einer ehemals als Garage geplanten 20-Quadratmeter-Butze) saßen, wo es für Halligverhältnisse einigermaßen hoch her ging. Von einem Hygienekonzept weit und breit keine Spur. Außer natürlich der Kümmel, der tötet ja Keime auch einigermaßen zuverlässig ab. "Corona - da wird ja auch viel übertrieben", lautete der Kommentar des Wirts. Jedes Wort mehr wäre auch schon Geschwätzigkeit gewesen.

Die Zahlen vom Tage: In ganz Deutschland 962 Fälle hinzugekommen (25 Tote), in Hamburg 6 Neuinfizierte, ein Todesfall.